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Elena Günther-Glasunow 
Am 18. Juni 1999 starb in München nach kurzer Krankheit im 95. Lebensjahr die bekannte Pianistin Elena Alexandrowna Günther-Glasunow, Tochter des großen russischen Komponisten und Dirigenten Alexander Konstantinowitsch Glasunow.
Elena Glasunow in St. Petersburg 1905 geboren, dem Jahr der sogenannten ersten russischen Revolution, erlebte somit solche Ereignisse in ihrer Heimat, wie den ersten Weltkrieg oder den “Sieg” der “Oktoberrevolution”.
“Der liebe Gott bescherte mir ein glückliches, langes, interessantes und ein ziemlich ungewöhnliches Leben. Bedauerlich  nur, dass all die Leute, die mir besonders nahe standen, Freunde meiner Kindheit, meiner jungen und reifen Jahre, längst diese unsere irdische Welt verlassen haben”, - pflegte Elena Alexandrowna in ihren letzten Lebensjahren teils  traurig,  teils mit gewisser Koketterie zu sagen. 
"All die, die ich über Jahrzehnte kannte, liebte, sind nur in meiner Erinnerung geblieben", - fügte sie hinzu.
In ihren Erinnerungen  erwähnte sie Namen von  Zeitgenossen, die sie nicht nur flüchtig kannte, sondern solche mit denen sie ganze Lebensabschnitte zusammen verbrachte, - Toscanini, Prokofjeff, Horowitz, Rachmaninow, Schaljapin, Milstein, Mosshuchin, Lifar, Afonskij oder “Dimotschka” Schostakowitsch, mit dem sie  auf dem Leningrader Konservatorium zusammenstudierte  und  1924 absolvierte.
 
 
Elena Glasunow
 
Elena Glasunow
 
Elena Günther-Glasunow, Paris
 
Elena Glasunow, Paris
 
Elenas erster großer Auftritt als Pianisten findet am 24. April 1926 statt. Es ist ein Benefizkonzert von A.K. Glasunow. Der nächste am 25. Aug. 1927 in der Kiewer Staatsoper. “Sie wurde stürmisch empfangen und immer wieder auf die Bühne gebeten... Alles an dieser Interpretin ist so vollkommen, das es tatsächlich nichts zu wünschen übrig lässt. Ihre Haltung ist einwandfrei, die Bewegungen ihrer Hände sind entspannt und plastisch, der Klang ist schön und voll, die musikalischen Phrasen fein abgerundet, im Ritordando präsentiert sie mathematische Genauigkeit, sie zeigt guten musikalischen Geschmack. Es war eine hervorragende akademische Art des Spieles”, - schreibt einer der angesehensten Musikpädagogen W. Puchalskij an Professor L. Nikolajew, Elenas Lehrer am Konservatorium.
Elena verlässt  gemeinsam mit ihrem ersten Mann, S. Tarnowski, einem Professor am Kiewer Konservatorium, Russland. Sie lassen sich in Paris nieder. Ein paar Monate später, im Juli 1928, kommen ihre Eltern nach und setzen sich ebenfalls in Paris nieder, wo sie bis zum Tode von Alexander Glasunow (März 1936) bleiben. Am 19. Dezember 1928 tritt Elena zum ersten Mal außerhalb von Russland auf - sie spielt im Pariser Konzertsaal "Pleyel". Im Januar des nächsten Jahres folgt eine Reihe von Konzerten in Portugal und Spanien, danach gastiert sie an der Metropolitan Opera in New York, wo sie das Publikum begeistert. Im Frühjahr 1930 folgen Tourneen nach Polen und in die Tschechoslowakei. Am Dirigentenpult steht jeweils ihr Vater, A.K. Glasunow. Danach geht sie für einige Jahre nach Berlin, um beim Pianisten Egon Petri Unterricht zu nehmen.
Sie spielt zusammen mit Sinfonieorchestern von Leningrad, Charkow, Odessa, Paris, New York, Madrid, Barcelona, Valencia, Lissabon, Bologna, Prag, Warschu, London, Wien, Berlin. Überwiegend trägt sie Klavierkonzerte ihres Vaters vor. 
Am Dirigentenpult stehen solch berühmte Persönlichkeiten wie Sir Henry Wood, Sir Thomas Beechem oder Victor de Sabata.
1961 übersiedelt Elena Alexandrowna zusammen mit ihrem Mann, Herbert Günther, einem deutschen Schriftsteller, nach München. 
In den 80-Jahren  erleidet sie einen Autounfall, wird verletzt, ein Finger  der rechten Hand wird gebrochen. Sie  ist untröstlich, will von weiterer Konzerttätigkeit nichts mehr hören, weigert sich sogar "einfach so, zum Spaß" zu spielen.
 
 
Elena Günther-Glasunow, München 1979
 
Elena Günther-Glasunow,
München, 1979
Elena Alexandrowna fürchtet sich vor der Einsamkeit, doch manchmal, gewollt oder ungewollt, provozierte sie einfach diese  Einsamkeit. Mit zunehmendem  Alter wird das Telefon ihr bester Freund. Das Telefonieren übt auf sie eine magische Kraft aus. Sie ist außerordentlich gefühlsbetont und reagiert  auf Ereignisse in der Welt, und ins besondere auf alles, was in Russland geschieht, besonders emotional. Sie betet für Russland, betet  für Jelzin, dass er an der Macht bleibt, denn sie hält radikale Veränderungen in ihrer Heimat  für viel zu gefährlich. In ihrer Tasche bewahrt  sie Briefe von ihrer Mutter aus Jerusalem auf.
“Alles in diesem irdischen Leben ist vergänglich... - lesen wir in einem der Briefe, - der Tod ist das Tor zum ewigen Leben (das behaupten unsere Seelsorger), durch welches alle gehen und gegangen sind... Man muss  die Irrtümer und die Unwissenheit in der Jugend bedauern, den Sinn des Lebens und sein Ziel erkennen. Es ist traurig alles zu sehen, zu hören und mitzuerleben, aber auch das wird vergehen, alles hat ein Ende. Dein Wille geschehe, Allmächtiger”.
 
Nikolaj Worontsow, München, den 21. Juni 1999

 

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